Welche Rolle spielt die dynamische Überblähung unter Belastung bei der Entstehung der Dyspnoe?

 

Guenette JA, Webb KA, O'Donnell DE. Does dynamic hyperinflation contribute to dyspnoea during exercise in patients with COPD? Eur Respir J. 2012;40:322-29

Einleitung: Bisher war nicht bekannt, ob sich eine dynamische Überblähung (Hyperinflation), das heißt eine Zunahme des endexpiratorischen Lungenvolumens (EELV)und damit die Verringerung der inspiratorischen Kapazität (IC) unter Belastung auf Dyspnoe und Leistungsimitation auswirkt.

Methodik: Von 427 Patienten mit COPD wurden 65 Patienten ohne Hyperinflation und 65 Patienten mit Hyperinflation, gematcht nach FEV1, Geschlecht, Alter, BMI ausgewählt. Verglichen wurden Daten der CPX unter konstanter Belastung auf dem Fahrrad-Ergometer. Als dynamische Hyperinflation (DH) wurde eine Zunahme der IC um 150 ml oder >4,5% des Solls zu einem beliebigen Zeitpunkt der Belastung definiert.

Ergebnisse: Die Gruppe mit Hyperinflation verminderte die inspiratorische Kapazität (IC) um 0,5 Liter. Die Gruppe ohne Hyperinflation erhöhte die inspiratorische Kapazität um 0,1 Liter. Die Zeitdauer bis zum symptomlimitierten Abbruch war in beiden Gruppen identisch. Die Hauptursache des Belastungsabbruchs war Dyspnoe oder Dyspnoe in Kombination mit Muskelschwäche. Die Dyspnoe-Intensität, gemessen anhand der Borg Skala war bei Vergleich der beiden Gruppen zu keinem Zeitpunkt der Belastung signifikant unterschiedlich. Der Dyspnoe-Score nahm in Abhängigkeit von dem inspiratorischen Reservevolumen (IRV) linear bis zu einem

Inflektionsbereich zu, in dem das Verhältnis von VT/VE nicht mehr oder nur gering zunimmt. Hinter diesem „Punkt“ nahm die Dyspnoe, die bis dahin als moderat beschrieben wurde (Borg 4-5) bis zur Intoleranz (Borg 7-8) steil zu. Die atemmechanische Limitation wird wahrscheinlich durch IRV besser reflektiert als durch die EELV.

 

Fazit: die Hauptergebnisse der Studie waren (1) beim Vergleich der beiden Gruppen war dynamische Hyperinflation nicht mit erhöhter Dyspnoe oder erhöhter Belastungsintoleranz verbunden (2) Beide Gruppen I und II konnten bei ähnlichem inspiratorischen Reservevolumen (IRV) das Tidalvolumina nicht weiter steigern.

Das bedeutet, dass das IRV und nicht dynamische Überblähung den entscheidenden Marker für die Belastungslimitation bei COPD darstellt: Wenn die IRV den Minimalwert (etwa 0,6 Liter) erreicht, wird nach kurzer Zeit die Dyspnoe deutlich erhöht und der Patient bricht die Belastung wegen Intoleranz ab .


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Kommentiert von: K.H. Rühle, Klnik Ambrock, Hagen