Fall 4:

Patient mit unklarer Dyspnoe

22 jähriger Patient nach mehrfachen Operationen bei malignem peripherem Nervenscheidentumor ED 11/2007 cervical.
Lokale Resektion und Nachresektion sowie adjuvante Radiojod-Therapie 2008
Rezidiv 2009, 2010
Daraufhin Thorakotomie und 14-fache Keilresektion sowie Lymphadenektomie 12/2010 Tumorresektion supraclaviculär mit intraoperativer Radiatio
13.01.2011 Thorakotomie links mit 26-facher Keilresektion links und Segment-10-Resektion sowie Lymphknotendissektion.

13.01.2011 21 Histologie:Metastasen bei 8 tumorfreien Lymphknoten


Funktionelle Untersuchungen:
Bodyplethysmographie:

Vitalkapazität (IVC) 3,71 = 62% vom Soll,
1-Sekunden-Kapazität 93%,
RAW total 0,24,
TGV 3,61 entsprechend 106%,
TGV in % TLC 62% = 128% vom Soll
Sportanamnese: Fussball 1 x / Woche.

Spiroergometrische Belastung zur Quantifizierung der belastungsinduzierten Dyspnoe:

VO2peak 2,23 l entsprechend 67% vom Soll.
VO2/kg 31,9 entsprechend 76% vom Soll.
Maximale Leistung 153 Watt entsprechend 67% vom Soll.
VO2 an der AT 1,25 l, entsprechend 48% der VO2peak.

Beurteilung:

Unterdurchschnittliche absolute Sauerstoffaufnahme. Keine kardiale Ausbelastung. Keine pulmonale Obstruktion. Unzureichend entwickeltes aerobes Ausdauer-Leistungsvermögen, wobei hier bei Herzfrequenzen beim Fahrradergometer um 130, beim Walken (falls in Zukunft möglich Joggen) um 140-145 der Trainingsschwerpunkt entgegen den bisherigen überwiegend anaeroben Trainingsinhalten liegen sollte.

Bilder zum Fall 4

Abb. 1: 9-Felder-Graphik nach Wasserman
Abb. 2: Fluss-Volumenkurve ohne Belastung
Abb. 3: Fluss-Volumenkurve mit 145 W Last

Kommentare zu Fall 4

 
  • Warum also keine Hyperventilation ?

    Ich glaube, die gestellte Frage ist dennoch nicht beantwortet. Warum hyperventiliert ein Patient trotz Restriktion (zunächst) nicht?

     

    Der Patient ist 22 Jahre alt und hat eine VC von 3.7l. Die IC kann ich in Grafik 7 nicht genau ablesen, liegt wohl bei 2.8l.

     

    Bei restriktiven Ventilationsstörungen tritt eine Hyperventilation ein, so bald die IC überschritten wird. Daher kann der junge Patient mit hoher IC lange Zeit mit normaler Frequenz ventilieren. Erst später, wenn VT > IC, kommt die Restriktion zum Tragen und die Hyperventilation setzt ein.

     

    Der Quotient VT/IC > 0.8 ist ein einfaches Maß einer funktionell wirksamen restriktiven Störung und kann in Grafik 7 leicht abgeschätzt werden. Manche Geräte drucken den Quotienten auch aus.

     

     

     

  • restriktives Atemmuster

    Warum ist bei einer restriktiven Ventilationsstörung, wie hier vorliegend, Panel 7 mindestens 3/4 der Untersuchung an der 20 Isoplethe ?

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    Die normalen Atemäquivalente und die im Normbereich liegenden Werte für das PetCO2 sprechen eher gegen eine Diffusionsstörung bzw. eine Druckerhöhung im kleinen Kreislauf.

    Empfehlenswert ist in derartigen Fällen zur genauen Beurteilung des pulmonalen Gasaustausches die Erfassung der Blutgaswerte, speziell der AaDO2 und im Vorfeld die Durchführung einer Diffusionsmessung.

  •  

    Es handelt sich um eine restriktive Ventilationsstörung mit erniedrigter Vitalkapazität. Wünschenswert wäre die Angabe der TLC. Die FEV1 ist typischerweise erhöht. Die Ursache der Restriktion ist auf die operative Resektion von Metastasen zurückzuführen. Der o.g. Beurteilung ist nichts hinzuzufügen.

    Der Patient ist atemmechanisch nicht limitiert. (Siehe Fluss-Volumenkurve)bei maximaler Belastung. Wünschenswert wäre hier die Bestimmung der inspiratorischen Kapazität während der jeweiligen Belastung, um die Position der F/V’-Kurve genau definieren zu können.

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