Die 6’ Gehstrecke gestattet die Abschätzung der täglichen Aktivität (ADL) bei COPD

Hill K, Dolmage TE, Woon L, Coutts D, Goldstein R, Brooks D. Defining the relationship between average daily energy expenditure, field-based walking tests and aerobic reserve in COPD. Chest. 2011 Aug 11. [Epub ahead of print]

Fragestellung: Bei COPD besteht zwischen Lebenserwartung und täglicher körperlicher Aktivität ein deutlicher Zusammenhang. Um diese abschätzen zu können stellt sich die Frage, ob es eine Korrelation zwischen körperlichen Belastungstests und der täglichen körperlichen Aktivität gibt. Die in den USA am häufigsten angewandten Belastungstests sind die Spiroergometrie mit einem Fahrradergometer unter einem Rampenprotokoll, die 6’ Gehstrecke (6’MWD) und der Incremental shuttle walking-Test (ISWD), der in Deutschland allerdings wenig angewandt wird.

Methodik: Zur zuverlässigen Messung des Energieverbrauchs (Daily energy expenditure, DEE) trugen die Patienten ein SenseWear-Armband. Die Peak-Sauerstoffaufnahme (VO2peak) wurde mittels symptomlimitierter  Fahrradergometrie-Belastung mit minütlicher Steigerung der Wattzahl um 10 oder 15 Watt ermittelt.

Ergebnisse: Bei 26 Patienten mit COPD lag die 6’MWD, ISWD, and  V’O2peak  bei 466 ± 66 m, 335 ± 108 m and 17.4 ± 3.8 ml/kg*min. DEE und das Produkt von Körpergewicht und Gehstrecke (6’MWD) zeigten eine hohe Korrelation mit r=0.73. DEE und VO2 peak waren nicht miteinander korreliert ( r=0,07). Ein weiteres Ergebnis war, dass bei COPD die aerobe Reservekapazität, d.h. die Differenz von maximaler aerober Kapazität und durchschnittlicher V’O2 erheblich verringert ist.

Fazit: Nicht die mögliche Spitzenleistung (VO2peak) sondern die eher eine Dauerleistung reflektierende 6’-Gehstrecke gestatten eine Abschätzung der täglichen physikalischen Aktivität (ADL). Um die DEE zu erhöhen dürfte es sinnvoll sein, nicht die Trainingsbelastung, sondern die Frequenz oder die Zeitdauer des Trainings zu erhöhen.

 


Kommentiert von: K.H. Rühle, Klnik Ambrock, Hagen